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Hilfe, ich komme zu nichts! Strategien gegen Zeitfresser

Nicht wenige Menschen haben das Problem, dass ihre wertvolle Zeit durch andere regelrecht »aufgefressen« wird. Sicher ist es sinnvoll, jemandem zuzuhören, der ein Problem hat. Es gibt jedoch Menschen, die einem endlos am Telefon ihre Probleme haarklein schildern, um Aufmerksamkeit zu erhalten und sich von der Last ihrer unvitalen und negativen Handlungen und Gefühle (biblisch »Sünde«) zu erleichtern suchen, ohne wirklich an einer Lösung ihrer Probleme interessiert zu sein. 

"Jetzt habe ich schon wieder zwei Stunden am Telefon verbracht,« stöhnt Claudia H., (32), nachdem sie ihre Schwester und ihre Schwiegermutter »verarztet« hat. Ihre Schwester hat mal wieder Liebeskummer, die Schwieger-mutter erkundigt sich nach den Kindern und berichtet ausgiebig von ihren Krank-heiten und Symptomen. Danach folgt noch ein Telefonat mit einer Freundin, die eine Scheidung durch macht.

»Dabei wollte ich heute so viel erledigen!« Anschließend fragt ihr Mann, für den sie eine Aufgabe übenommen hat: »Bist du schon fertig damit? Wieso nein? Hast du wieder die ganze Zeit telefoniert!« ärgert er sich.

 

Claudia H. spürt den Zeitdruck, die Unzufriedenheit ihres Mannes und ihre eigene: »Ich muss dringend etwas ändern, so geht das nicht mehr! Meine ganze Zeit geht mit Zuhören drauf, und ich krieg’ nichts gebacken!« Claudia ist zu gutmütig, trägt zu viel für andere. »Wo weinen Sie sich denn aus, wenn Sie ein Problem haben?« frage ich sie. »Eigentlich habe ich nur eine Freundin, der ich alles erzähle. Allen anderen höre ich nur zu.«

 

Nicht nur am Telefon lässt Claudia H. viel Zeit: »Auch im Hofladen erzählen mir die Leute ständig ihre Probleme. Das belastet mich auch.« Doch nicht nur ihr als Haus- und Hoffrau, auch vielen Menschen in der Arbeitswelt geht es so: »Mir graut vor manchen Interessenten, sie rufen ständig an oder kommen rein, stellen endlos Fragen, wollen alles x-mal hören,« stöhnt Daniel R. (25), Neuwagen-Verkäufer. Beide, Claudia und Daniel, können lernen, sich zu schützen, damit sie sich nicht überstrapazieren lassen.

 

Dazu ist es wichtig, ihre Beziehungen zu untersuchen: In welchen Beziehungen gebe ich mehr als ich erhalte? Von wem fühle ich mich ausgenutzt? • In welchen Beziehungen erhalte ich so viel, wie ich gebe? Das heißt: Wo höre ich nicht nur zu, sondern wer leiht auch mir ein Ohr und gibt mir Tipps? • In welchen Beziehungen fühle ich mich unter Druck gesetzt, wenn ich nicht nachgebe und »brav« zuhöre? • In welchen Beziehungen ist es für mich o.k., mehr zu geben als zu nehmen, weil ich mich zum Beispiel für ein Ehrenamt entschieden habe oder weil ich einer bestimmten Person eine Zeitlang durch eine schlimme Phase helfe?

 

»Auweia!« ruft Claudia H.: »Wenn ich daran denke, wie oft die Woche ich angerufen werde und eigentlich immer Problem-Gespräche habe − es sind ganz schön viele Telefonate, in denen ich mehr gebe − und auch unter Druck gesetzt werde. Ich kann schwer »Nein« sagen«, sagt Claudia H.. Wo sie mehr gibt als sie nimmt, ohne sich bewusst dafür zu entscheiden, sitzt sie einem Zeitdieb auf.

Strategien gegen Quasselstrippen und Zeitdiebe

Eigentlich sollte die Wäsche gebügelt werden und der Kleine langweilt sich auch – doch die Bekannte am Telefon hört nicht auf, über ihre Probleme zu klagen. Kennen Sie diese Situation? Wehren Sie sich gegen Zeitdiebe!


Claudia untersucht ihre Beziehungen und fragt sich: Wer ist für mich ein Zeitdieb? Hier die Symptome, die dafür sprechen können, dass Sie einem Zeitdieb aufsitzen.


• Ich werde zu allen Tages- und Nachtzeiten angerufen, ohne Rücksicht auf meinen eigenen Tagesablauf. Immer wieder rufen Bekannte an, wenn die Kinder ins Bett gebracht werden, nach halb zehn abends oder am besten auch noch nachts (wir gehen hier davon aus, dass es sich um keinen echten Notfall handelt!).

• »Aber«: Jeder konstruktive Lösungsvorschlag wird mit einem Satz, der mit »aber« beginnt, verworfen oder es wird diskutiert, warum das nicht funktionieren kann (»Ja, aber er macht doch dann...«, »Aber wenn sie dann sagt...«).

• Alles wird x-mal und in allen Einzelheiten (»ich hab gesagt...«, »und dann hat er gesagt...«) wiedergekäut.

• Erhaltene Tipps und Lösungsvorschläge werden nicht umgesetzt.

• Manipulation: Moralisieren, Druck ausüben, Schuldgefühle machen: Wenn ich mich abgrenzen will, wird an mein Gewissen oder meine Hilfsbereitschaft appelliert. Mir wird Mangel an Hilfsbereitschaft vorgeworfen oder meine Identität als Christ in Zweifel gezogen.

• Nach dem Telefonat habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich von der Arbeit abhalten ließ und die Arbeit nicht bewältigt habe.

• Ich fühle mich ausgelaugt.

• Ich fühle mich schmutzig und als Mülleimer missbraucht.

• Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich mich nicht abgrenzen und »Nein« sagen kann. »Oh je, das trifft auf mich alles zu!« stöhnt Claudia H.. »Was mach’ ich bloß?« Wir erarbeiten gemeinsam einige Strategien:

• Ich schaffe mir einen Anrufbeantworter an und stelle ihn ein.

• Ich richte mir feste Zeiten ein, in denen ich nur arbeite und nicht telefoniere und teile es allen mit.

• Ich bespreche Probleme am Telefon nur mit Menschen, bei denen ich hundertprozentig weiß, dass sie nicht aus der Kategorie der »Zeitfresser« stammen (zum Beispiel echte Freunde).
• Ich überprüfe, ob mir der Anruf ins Tageskonzept passt (Ausnahmen bei echten Notfällen!), wenn nicht, sage ich bereits am Anfang des Telefonats: »Es tut mir leid, wann kann ich dich zurückrufen?« Oder ich überlasse den Anrufer zunächst dem Anrufbeantworter.

• Ich kläre von Anfang an, wie viel Zeit mir zur Verfügung steht. Ich sage etwa: »Ja, wir können eine viertel Stunde reden!« oder: »Ich habe leider nur fünf Minuten Zeit«.

• Ich gebe wenig Tipps, höre nur zu, lasse mich auf keine Diskussionen auf der Sachebene ein.

• Ich gebe eine Art Hausaufgabe, die die Person umsetzen kann. Ruft sie mich wieder an, frage ich sie: »Und, hast du die Strategie, die ich dir letztes Mal gesagt habe, angewendet? Nein? Ja, dann rufst du mich am besten erst wieder an, wenn du das praktisch umgesetzt hast – vorher brauchen wir gar nicht darüber zu reden, das bringt nichts!«

• Ich überprüfe mich selbst immer wieder, ob mir das Gespräch zu lang dauert und ich mich noch wohl fühle.

 

Geben und nehmen im Gleichgewicht!

 

• Wenn mir ein Telefonat oder ein persönliches Gespräch zu lange dauert, sage ich Sätze wie: »So, nun muss ich leider weitermachen!«, »Ich muss leider noch xy tun!« Geht jemand nicht darauf ein, unterbreche ich ihn und sage: »Tut mir leid, ich muss nun wirklich weitermachen.« und leite die Verabschiedung ein.

• Wenn mir jemand das dritte Mal dasselbe erzählen will, sage ich: »Ja, das hast du mir/haben Sie mir gerade gesagt!«

• Schlagen Sie vor, dass die Person Sie aufsucht: Häufig werden die Probleme unwichtig, wenn der Zeitfresser sich dafür in Bewegung setzen muss – er wird sich wahrscheinlich einen neuen Mülleimer suchen, bei dem er es einfacher hat!

• Ich schlage einen Zeittausch vor: »Magst du nicht herkommen und mir helfen, dann könnten wir anschließend deine Dinge besprechen?« Menschen, die wirklich an Hilfe interessiert sind, wissen Gesprächsbereitschaft zu schätzen und können diesen Vorschlag annehmen.
• Wenn man unter Druck gesetzt wird durch »Du hast aber auch nie Zeit für mich!« oder »Als Christ solltest du aber geduldiger sein!« kann man sagen: »Ich fühle mich von dir unter Druck gesetzt und finde, das ist keine gute Basis für eine Beziehung.« Wer nicht so auf Konfrontation gehen möchte, kann sagen: »Das stimmt! Ich habe tatsächlich nicht mehr so viel Zeit, muss noch dies und das tun.«

• Ich-Botschaften senden mein Bedürfnis: »Ich merke, dass unsere langen Telefonate mich überanstrengen und meinen Tagesplan durcheinander bringen. Deswegen möchte ich mich auf eine viertel Stunde beschränken.« − »Ich habe leider jetzt nicht mehr so viel Zeit zum Telefonieren.« − »Ich rufe dich zurück, wenn es besser ist.« und ähnliches.

 

Zeit bewusst erleben!

 

Erfassen Sie anhand der Kriterien, wer Ihrer Anrufer oder Besucher ein Zeitfresser ist. Machen Sie sich eine Liste, und legen Sie sich die entsprechenden Antworten zurecht, um sich davon frei zu machen! Wenn Sie sich nicht recht trauen, weil Sie sehr harmoniebedürftig sind, stellen Sie sich vor, es handelt sich nur um eine Übung: Wenn ihre Abwehr nicht gleich erfolgreich ist oder Sie Ärger bekommen, macht das gar nichts − es ist ja nur eine Übung!

 

Überprüfen Sie auch Ihre eigenen Verhaltensweisen, dass Sie nicht anderen Menschen die Zeit rauben. Nachdem Sie durch diese Maßnahmen »Herr/in« über Ihre Zeit geworden sind, machen Sie damit etwas Schönes oder entscheiden Sie sich bewusst, wem Sie die Zeit geben wollen! Claudia H. sagt in der Abschluss-Sitzung: »Ich habe jetzt genug Zeit für meine Aufgaben und zum Sport übrig. Ich habe sogar Zeit, dass ich jetzt einmal die Woche eine seelisch behinderte Bekannte anrufe, ihr zuhöre und ihr helfe. Das macht mir echt Freude und sie ist auch froh!«

 

Genießen Sie das gute Gefühl, nicht mehr zu reagieren, sondern selbstständig zu handeln und sich ein Stückchen freier zu fühlen. Atmen Sie durch!

 

Autorin: Beatrice Rieder M. A. www.cef-ev. Veröffentlicht im Allgäuer Bauernblatt 16/2010

 

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